Ein Jahr S2k-Leitlinie Asthma: Neuerungen und Vorteile für Patienten im Fokus

Die S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie von Asthma der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) ist seit einem Jahr in Kraft. Zu diesem Anlass richtet die Asklepios Lungenklinik Gauting den Blick auf die Neuerungen und Vorteile dieser Leitlinie für Patienten. Dr. Sarah-Christin Mavi, Oberärztin für Pneumologie und Dr. Cosmina Stoleriu, berichten über die bedeutendsten Fortschritte und ihre Auswirkungen auf die Behandlung von Asthma-Patienten.

Mavi
Abb.: Dr. Sarah-Christin Mavi, Oberärztin Pneumologie der Asklepios Lungenklinik Gauting

Die S2k-Leitlinie, die vor rund einem Jahr als Ergänzung zur Nationalen Versorgungsleitline Asthma (NVL) veröffentlich wurde, richtet sich an pneumologisch tätige Fachärztinnen und -ärzte. Sie stellt einen Paradigmenwechsel in der Asthma-Therapie, denn sie favorisiert ganz klar, Patienten mit nachhaltigen und nebenwirkungsarmen Medikamenten frühzeitig zu behandeln, um langfristige Medikamentennebenwirkungen zu vermeiden.

Vor wenigen Jahren wurde Asthma hauptsächlich durch die Behandlung von Symptomen bekämpft. Zeigte ein Patient bestimmte Symptome, wurden Medikamente zur Symptomlinderung eingesetzt. Heute jedoch steht die Prävention im Vordergrund. „In der Vergangenheit haben wir unsere Asthmapatienten mit Hilfe eines Stufenschemas je nach Schwere der Symptomatik behandelt. Oftmals hat der Patient erst bei stärkerer Symptomatik eine höher dosierte Medikation erhalten. Teilweise bei leichter Symptomatik auch nur Bronchodilatatoren bei Bedarf. Heutzutage sieht die Therapie vor, dass man den Symptomen nicht mehr hinterherläuft, sondern frühzeitig die "Asthma-Entzündung in den Bronchien" mittels wirksamer Medikamente effektiv behandelt und stoppt. Dazu gehört in erster Linie das inhalative Cortison zusammen mit Bronchodilatatoren (bronchialerweiternden inhalative Medikamente)", erläutert Dr. Sarah-Christin Mavi, Oberärztin für Pneumologie der Asklepios Lungenklinik Gauting.
In der Leitlinie wird erstmals explizit die sogenannte Asthma-Remission als Therapieziel genannt. Darunter versteht man eine „vollständige Abwesenheit von Symptomen über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr, ohne Einsatz systemischer Glucocorticoide“, so Dr. Mavi. Durch den Einsatz verschiedener Medikamente, die möglichst nebenwirkungsarm sind und langfristig die Entzündung der Atemwege unterdrücken, soll die Asthma-Erkrankung langfristig in eine Phase der Ruhe versetzt werden, in der sie praktisch inaktiv ist.
Dr. Sarah-Christin Mavi weist außerdem auf einen dritten, sehr wichtigen Aspekt der S2k-Leitlinie hin. Das komplett überarbeitete Kapitel zu schwerem und schwierigem Asthma bronchiale gibt der Biologika-Therapie den klaren Vorrang. Diese auch als „Spritzen“-Therapien bekannten Behandlungsformen, setzen gezielt auf bestimmte „phänotypische Marker“ (Biomarker) in der Entzündungskaskade an. Eine Langzeittherapie mit oralen Steroiden dürfe laut Asthma-Leitlinie dagegen nur noch in begründeten Ausnahmefällen und bei Versagen der Biologika-Therapien erfolgen.

„Asthma-Patienten werden in Deutschland von Fachambulanzen und selbstverständlich auch an der Asklepios Lungenklinik Gauting frühzeitig auf moderne Therapien insbesondere Biologika-Therapien evaluiert mit dem Ziel einer langfristigen Asthma-Remission“, ergänzt Dr. Stoleriu. Nach und nach finden die neuen Leitlinien und Empfehlungen ihren Platz in der aktuellen Asthma-Behandlung, hilfreich seien dabei die Teilnahme an aktuellen Kongressen und Symposien, denn: Es ist ein Thema, das in ständiger Bewegung ist.

Eine fundierte Diagnose bildet die Grundlage für eine individuelle Therapie, die eine engmaschige Kontrolle des Krankheitsverlaufs und eine verlaufsorientierte Anpassung der Behandlung beinhaltet: „Asthma ist bisher nicht heilbar, aber in den meisten Fällen gut behandelbar.“ Dabei sei es für die Verbesserung der Lebensqualität entscheidend, nicht nur das passende Medikament einzusetzen, sondern auch die Patienten im Umgang mit diesen Arzneien und mit Asthma-Auslösern zu schulen. Leider hat sich dieser Paradigmenwechsel noch nicht flächendeckend durchgesetzt, und Asthma wird vielerorts immer noch ausschließlich mit Bedarfsmedikamenten behandelt, die die zugrundeliegende Entzündung nicht nachhaltig redu-zieren.

Weitere Informationen zum Thema Asthma bronchiale und individuelle Therapiemöglichkeiten finden Sie hier: www.asklepios.com/gauting/experten/pneumologie/obstruktive-atemwegserkrankungen/asthma-bronchiale/

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